Herr Ströbele, jeder blamiert sich so gut, wie er kann

Nun ist die, schon im Vorfeld diskutierte und umstrittene Rede des Papstes Geschichte. Er hielt sie, theologisch und philosphisch sehr weise.

Weniger weise verhielten sich einige unserer gewählten Volksvertreter. Es war vielleicht noch weise, nicht zu erscheinen. Allerdings lade ich keine Gäste ein und lass sie dann allein.

Sehr dumm ist es in meinen Augen aber, zu erscheinen, um zu gehen. Demonstrativ zu gehen. Dumm gelaufen ist es dann aber, wenn der Papst gar keinen Grund gibt zu gehen, Niemanden angreift und sehr intelligent über das Anliegen der eigenen Partei philosphiert.

Herr Ströbele es wäre weise gewesen zu bleiben und nicht auf dem Vorsatz zu beharren, demonstrativ gehen zu wollen. Diesen Vorsatz hatten vielleicht einige, aber sie waren nicht so dumm, ihren Vorsatz auch umzusetzen. Sie haben sich einmal mehr blamiert und gezeigt, dass sie scheinbar mit dem Turbo durch die Kinderstube gerast sind. So schaden Sie nicht nur dem Ansehen der Parlamentarier, sondern auch der eigenen Partei, die ihm Gegensatz zu Ihnen auch Kompromisse zulässt. Schauen Sie mal nach Baden-Württemberg.

Schlechte Zeiten für Quizkandidaten

Können Sie sich noch die Namen der Minister unserer Regierung merken? Immer dann, wenn man gerade begriffen hat, wer jetzt gerade Gesundheits-, Familien-, Wirtschaftsminister ist, hat sich über Nacht mal wieder alles geändert.

Soviel Regierungsumbildungen (letzter Stand 3) wie in dieser Legislaturperiode gab es noch nie, von den diversen Rücktritten nicht zu reden. Und dabei ist noch nicht mal die Hälfte der Periode um.

Heute wurde mal wieder gewürfelt. Nein, es ist niemand zurückgetreten, vielleicht wurde jemand zurückgetreten. Das gilt sogar als wahrscheinlich.

Also wie war das noch?

Minister für 28.10.2009 30.11.2009 03.03.20011 10.Mai.2011
Gesundheit Philipp Rösler Daniel Bahr
des Äußeren Guido Westerwelle
Verteidigung K.T. von Guttenberg Thomas de Maizière
Inneren Thomas de Maizière Hans-Peter Friedrich
Justiz Sabine Leutheusser–Schnarrenberger
Finanzen Wolfgang Schäuble
Wirtschaft Rainer Brüderle Philipp Rösler
Arbeit Franz Josef Jung Ursula von der Leyen
Landwirtschaft Ilse Aigner
Familie Ursula von der Leyen Kristina Schröder
Verkehr Peter Ramsauer
Umwelt Norbert Röttgen
Bildung Annette Schavan
Entwicklung Dirk Niebel

Ich versuche es gar nicht mehr, mir die Verschiebungen zu merken.  Ich gestehe auch, dass ich bei den meisten nicht einmal weiß, wie sie aussehen. Herr Jauch tut mir leid, auch er wird irgendwann nicht mehr wissen, wer jetzt gerade was ist und seine Kandidaten auf die falsche Fährte locken.

Aber vielleicht sollte man die Verfasser des „Einbürgerungstestes“ darauf aufmerksam machen, dass sich nicht mal mehr ein „Eingeborener“ mit normalem Bildungsniveau (nein, nein keine Hochschulabsolventen, die verstehen nicht mal eine Textverarbeitung) diesen Zirkus merken kann.

Und ganz erstaunlich ist es doch, dass in unserer Regierung nur Genies sitzen, die ohne Zertifikat und einschlägiger Qualifikation alles können und von allem (k)eine Ahnung haben, ganz egal ob Gesundheit oder Wirtschaft, Familie oder Arbeit. Wie heißt das neudeutsch so schön? Passt schon.

Und dass Doktortitel oft nur Schall und Rauch sind, beweisen ja Karl Theodor von Guttenberg und seit heute auch Silvana Koch-Mehrin. Es werden nicht die letzten sein.

Mir kommen die Tränen

Ich höre und sehe gerade eine Diskussion bei Sat1 über E10. E10 betrifft mich ganz persönlich, denn ich kann, darf und will kein E10 tanken. Ich will mich von unserer Regierung nicht vergewaltigen lassen.

Aber ist meine Einstellung richtig?

Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, schafft es, mir die Tränen in die Augen zu treiben. Ich habe Mitleid. Eine dreistellige Millionensumme haben die Mineralkonzerne investiert und jetzt will ich diesen Sprit nicht. Ich will mein Super zurück. Darf ich so gemein sein? Die Mineralölfirmen meinen es doch nur gut, wenn sie einfach kein Super mehr verkaufen. Ich kann doch Super Plus kaufen, das ist zwar teuer, aber damit helfe ich doch mir und den Mineralölfirmen.

Die armen müssen doch jetzt Quote machen und ich weiger mich., Ihnen zu helfen. Ich schäme mich.

Jetzt reden sie über Motoren, die gehen doch von E10 gar nicht kaputt. Nein, aber ich habe auch keine Lust, vielleicht schon im nächsten Jahr sämtliche Schläuche auszutauschen. Denn die werden porös, sagt mein KFZ-Meister vom TÜV. Und wenn Schläuche porös werden, kann das schon gefährlich sein, wenn ich es noch nicht mal gemerkt habe.

Aber für mich überzeugend ist ein anderes Argument gegen E10. Ethanol wird aus Getreide hergestellt und können wir uns das leisten? Wir und diejenigen, die Getreide als Nahrungsmittel importieren müssen. Dürfen wir Nahrungsmittel in die Luft jagen, nur um von A nach B zu kommen? Dürfen wir Wälder roden um Ackerflächen zu haben, deren Ertrag nicht mehr dazu da ist, Hunger zu stillen, sondern um Autos zu bewegen?

Tut mir leid Herr Picard, ich werde Sie und Ihre Kollegen in mein Nachtgebet einschließen und ich bin auch sicher, dass Sie einen Weg finden, uns zu schröpfen, damit die Millönchen wieder reinkommen. Aber ich verweigere mich. Ich werde kein E10 tanken.

Kann denn die Kinder keiner lehren…

Und wieder einmal liegt eine halbfertige Dissertation auf meinem Schreibtisch. Und ich wundere mich über gar nichts mehr. Auch nicht über nicht genannte Quellen bei Herrn von Guttenberg.

Ist es denn für unsere Hochschulen wirklich so schwierig, den Studenten die Richtlinien für eine wissenschaftliche Arbeit an die Hand zu geben? Und wenn es sie gibt, warum machen Doktorväter nicht darauf aufmerksam. Sie müssten doch wissen, dass man weder von Schule noch von Hochschule erwarten kann (man sollte, aber man kann es nicht), dass Studenten gelernt haben, wie eine wissenschaftlich Arbeit auszusehen hat.

Es gibt rühmliche Ausnahmen. Professoren, die zunächst einmal eine Probearbeit fordern, um zu sehen, ob der Student eine wissenschaftlich Arbeit formal richtig schreiben kann. Fakultäten, die den Studenten sogar vorformatierte Dokumentvorlagen bereithalten. Es gibt auch Merkblätter, aber da steht was von Empfehlung und der "kluge" Student meint, Empfehlungen gehen ihn nicht an.

Natürlich sind auch die Studenten nicht unschuldig. Vor einiger Zeit veröffentlichte das MS Office Magazin einen ironischen Artikel zu dieser Misere, der stark kontrovers diskutiert wurde. Vor allem die Studenten waren beleidigt. Sie hätten doch keine Zeit und noch nie vorher mit Word gearbeitet. Es muss ja nicht Word sein, aber keine wissenschaftliche Arbeit wird heute noch ohne Textverarbeitung geschrieben. Und wie sind diese Studenten durch ihr Studium gekommen? Ohne Referate, ohne Studienarbeiten, ohne Protokolle?

Es gibt sehr nette Menschen in Internet, die helfen wollen und können. Und googeln ist doch inzwischen Volkssport. Vielleicht sollte man nicht immer nur nach dem witzigsten YoutTube-Video suchen oder nach "kostenlosen" Downloads für Spiele und Tuning-Tools, sondern auch mal nach dem, was für die eigene Arbeit wichtig ist.

Die Bürger haben entschieden

Es ist passiert, was viele prophezeit haben. Die Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben sich für einen Neuanfang und vielleicht auch wirklich für eine neue Politik entschieden.

Sie wollten Stefan Mappus in Baden-Württemberg nicht und ich persönlich glaube nicht, dass alles auf die Katastrophe in Japan zurück zu führen ist. Gerade hier im Musterländle, wo die Menschen geduldig sind, ist ihnen der Geduldsfaden gerissen. Und zwar nicht erst in den letzten 14 Tagen. Stuttgart 21 war wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Alles was danach kam, war nur noch eine Bestärkung. So geht man (Mappus) nicht mit Menschen um, die einem anvertraut werden. Nicht durch eine Wahl der Bürger wurde Mappus Ministerpräsident, sondern durch Parteibeschluß. Und Stefan Mappus hat sich nicht beliebt gemacht durch seine Brachialgewalt mit der er Alleingänge durchzog.

Gerade höre ich die Kandidatin der CDU Frau Klöckner in Rheinland-Pfalz und ich frage mich, wie blauäugig man sein kann. Sie scheint immer noch zu glauben, sie könnte Kurt Beck ablösen. Er hat verloren, stark verloren, aber glaubt Frau Klöckner wirklich, dass die Grünen mit der CDU regieren wollen?

Alle Politiker schieben Gewinne und Verluste auf die Ereignisse in Japan. Sicher lässt das keinen von uns unberührt, aber eine Ausrede, um von sich als politische Macht abzulenken, ist das für niemanden.

Gewonnen hat unser Recht auf Wahl und gewonnen haben heute die Bürger beider Bundesländer. Ob die Politiker diese Entscheidung ernstnehmen und mit Fingerpitzengefühl in den nächsten 5 Jahren  regieren, bleibt abzuwarten.

In Baden-Württemberg war sicher nicht alles schlecht. Und meine Hoffnung ist, dass es keiner wagt, an dem funktionierenden und gutem Schulsystem herumzuschrauben. Kinder sind keine Versuchskaninchen und was bei SPD regierten Ländern passieren kann, zeigen die Pisa-Studie und die Länder NRW und Niedersachsen.

Baden-Württemberg

Rheinland-Pfalz

18:00 Uhr Prognose

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Hohe Wahlbeteiligung in den Ländern

In beiden Budesländern, in denen heute gewählt wird, zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Das freut mich, denn für mich ist das Wahlrecht auch eine Wahlpflicht. Rechte bedeuten immer auch Pflichten. Wer das Recht auf die Wahl verschenkt, der lässt machen und macht nicht. Diese Wahlverweigerung beschert denen, die nicht wählen, garantiert das, was sie ja nie gewollt haben. Diese Wahlverweiger sollten dann auch nach der Wahl  nicht sagen, wir können ja doch nichts ändern. Doch, sie hätten es gekonnt, aber sie haben ihr Recht mit Füßen getreten.

Ich hoffe, dass die Bürger von Baden Württemberg und auch Rheinland-Pfalz heute vielen klar machen können, wie viel das aktive Wahlrecht bedeutet, so unterschiedlich es auch in beiden Ländern ist.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es ein anderes Wahlrecht als in den meisten anderen Bundesländern. Es gibt keine Zweitstimme. Jeder hat nur eine Stimme. Es gibt auch keine Landeslisten. Es ist eine Mischung zwischen Verhältnis- und Persönlichkeitswahl. Eine Besonderheit außer der hohen Wahlbeteiligung gibt es in diesem Jahr noch in Baden-Württemberg: Das Parlament wird von einem Freizeit- zum Vollzeitparlament.

2006 lag die Wahlbeteiligung bei 53,4%. Diese wird wohl bei den diesjährigen Wahlen allen Umfragen zu Folge weit überschritten. Bis Mittags soll sie bei 37% gelegen haben. Außerdem gab es eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Briefwählern.

Stefan Mappus sagte bei der Abgabe seiner Stimme, er hätte ein gutes Gefühl. Ich vermute, das wird sich nach der ersten Prognose ändern.

Rheinland-Pfalz

Auch in Rheinland-Pfalz strömten die Wähler in die Wahllokale. Hier werden wie fast in allen Bundesländern 2 Stimmen abgegeben.

Bis Mittags lag die Wahlbeteiligung incl. der Briefwähler bei 42%. Vor 5 Jahren lag die Wahlbeteiligung um die gleiche Zeit bei ca. 35%. Damals gingen  insgesamt 58,2 % der Wähler zur Wahl.

Ich denke, der Wiedereinzug der Grünen ist sicher, ob die FDP die 5% Hürde nimmt bleibt eher abzuwarten. Sie lag bei der letzten Wahl bei 8% und hat schon in Sachsen-Anhalt bei der Wahl am letzten Sonntag 2,8% der Stimmen eingebüßt und zogen nicht in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Hier  könnten die Verluste doch noch um einiges höher liegen.

Spannender Sonntag in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Mal wieder ein Super-Wahljahr. Was daran so super ist, weiß ich nicht, denn ich wüßte nicht, wen ich zur Zeit wählen sollte und bin daher froh, dass es mich in diesem Jahr nicht trifft (hoffentlich). Ok, auch Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen, denn ob sich unsere jetzige Regierung wirklich bis zum Jahresende hält, steht in den Sternen. Angela und Guido sind ganz sicher nicht das Traumpaar der Nation.

Am letzten Wochenende war mir der Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt ziemlich egal, bis auf einen Punkt. Die NPD kandidierte und die darf einfach in keine noch so kleine Regierung. Es ist gut gegangen, aber nur knapp. 4,8% sind 4,8% zuviel. Bei den Wahlen am Wochenende besteht diese Gefahr nicht. Aber die Spannung ist bei allen spürbar.

Wie werden sie ausgehen, die Wahlen? Wird sich die CDU mit Stuttgart 21 den so bequemen Ast absägen, auf dem sie 58 Jahre saß? Oder verzeiht der Wähler wirklich alles? Für die NPD gilt Demonstrationsfreiheit, für Schüler und normale Bürger schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Baden-Württemberg. Da werden Wasserwerfer und Knüppel zum Einsatz gebracht, wenn das Volk murrt (und gleichzeitig mit dem Finger auf Diktatoren gezeigt). Sie meinen das kann man nicht vergleichen? Doch ich kann, denn beides ist Unrecht.

In Rheinland-Pfalz ist Herr Brüderle nur ein kleines Rädchen in der „großen“ Politik. Aber auch kleine Räder wirbeln Staub auf und das noch vor der Wahl.  Sie schaffen es sogar Leute zum Rücktritt zu bewegen, die nie daran dachten. Vielleicht war das ganze ja gar kein Bauernopfer, sondern eher die einzige Möglichkeit öffentlich klarzustellen, dass die erste Aussage im BDI-Protokoll stimmte. Eine Indiskretion ist nun mal keine falsche Darstellung eines Sachverhaltes. Arme FDP, armer Guido. Wird der Einzug ins Landesparlament trotz Brüderle gelingen? Mitleidswahlen gibt es nicht.

Interessant ist sicher, wie es vor der Wahl in den beiden Bundesländern aussieht, bzw. wie die Ergebnisse 2006 waren.

Reicht in Rheinland-Pfalz ein mageres 8% Polster für die FDP? Verluste sind dank Guido Westerwelle und Herrn Brüderle vorprogrammiert. Aber wie viele Verluste? Kommen die Grünen nach der Abstinenz wieder in den Landtag zurück. Für mich eher wahrscheinlich, als ein Einzug der FDP. Gibt die SPD Stimmen an die Linke ab?

Was wird im Ländle passieren, die braven Schwaben probten ja schon im letzten Jahr den Aufstand. Ist Stefan Mappus noch zu halten? Aber die Alternative (SPD) ist ja auch für Stuttgart 21 im Gegensatz zu den Bürgern. Die FDP hat 10,7%, schon jetzt weniger als die Grünen und die hoffen ja sogar auf einen grünen Ministerpräsidenten. Für mich nicht unwahrscheinlich, den Stuttgart 21 ist nur mit den Grünen zu verhindern. Aber ist das wirklich gut fürs Musterländle von Späth? Wohl ist mir auch dabei nicht.

Es wird morgen abend spannend und die erste Prognose könnte für einige tränenreich sein. Ein realer Krimi und hoffentlich keine Politposse. Es wird Zeit für weniger Lügen, aber können wir das von Politikern überhaupt erwarten?